Gestaltung einer Bearbeitungs-Datei

Gravieren, Ritzen und Schneiden steuern

Grundlage jeder Bearbeitung ist eine Vektor-Grafik-Datei, deren grundlegendes Element eine geschlossene Kontur ist. Im SVG-Format wird neben Farbe und Strichstärke dieser Kontur auch Art und Farbe der Fläche gespeichert, die die Kontur umschließt.

Ob eine Kontur geschnitten bzw. geritzt oder ob die von ihr umschlossene Fläche graviert wird, darüber entscheiden Sie exklusiv mit Hilfe der Konturfarbe (Linienstärken spielen keine Rolle und können nach ästhetischen Gesichtspunkten gewählt werden. Dasselbe gilt für Eigenschaften der Füllung der von der Kontur umschlossenen Fläche):

Konturfarbe RGB Bearbeitung Auswirkung
rot F00 Schnitt Laser fährt Kontur so ab, dass das Material durchgeschnitten wird.
blau 00F Ritzung Laser fährt Kontur so ab, dass das Material nicht durchgeschnitten sondern mit einer Ritze versehen wird, die dann mit einer bestimmten Farbe ausgelegt werden kann.
schwarz 000 Gravur Laser rastert die von der Kontur eingeschlossene Fläche so, dass einige 1/10 mm Material abgetragen werden und Farbe in die Vertiefung eingetragen werden kann.
Allgemeine Anmerkungen zu Gravieren, Ritzen und Schneiden

Ein Durchbruch beruht auf dem Schnitt entlang einer geschlossenen Kontur, eine Gravur beruht hingegen auf dem Abtragen von Material innerhalb einer geschlossenen Kontur.

Schrift

  • Schrift sollte stets vom zugrundeliegenden Font entkoppelt werden, indem das Objekt in einen Pfad umgewandelt wird (danach ist der Text nicht mehr editierbar).
  • Bei Schriftzeichen, die als Objekte in eine Vektorgrafik eingefügt wurden, entscheidet die Farbe der Kontur, ob sie geritzt (blau) oder geschnitten (rot) oder ob die von ihr eingeschlossene Fläche graviert (schwarz) wird. Die Linienbreite (oder die Füllung) spielt dabei keine Rolle.
  • Buchstaben aus einzügigen Schriftarten können nicht graviert werden, d.h. sie müssen geritzt (oder geschnitten) werden.
  • Buchstaben aus „normalen“ Schriftarten sollten bei kleiner Schriftgröße grundsätzlich nur gerastert (oder geschnitten) werden, d.h. erst bei ausreichender Schriftgröße (~9pt) lassen sich Ritzen sauber getrennt herstellen.

Sonstige Bearbeitung

  • Ein Laser erzeugt beim Schnitt einen Luftspalt von bis zu 0,2 mm. Anders als bei einem Fräser mit definiertem Werkzeug-Duchmesser wird der Laser grundsätzlich auf die Kontur angesetzt, was zu einem Versatz der Schnittlinie um bis zu 0,1 mm führt, der die Dimensionen des Durchbruchs entsprechend vergrößert.
  • Zwischen benachbarten Langlöchern bis 20mm Länge sollten mindestens 2mm Material stehen. Bei noch größeren Langlöchern sollte dieses Verhältnis von 10:1 gewahrt bleiben.
  • Ein Laser kann grundsätzlich Planflächen gravieren bzw. „wegbrennen“, allerdings ist bei entsprechend hoher Energiedichte nicht zu verhindern, dass die Ränder unregelmäßig aufschmelzen, weswegen dies für eine Sichtseite meist nicht in Frage kommt.
  • Zu schneidende bzw. zu ritzende Konturen müssen nicht geschlossen sein. Umgekehrt können nur geschlossene Konturen gerastert bzw. graviert werden.

Allgemeine Anmerkungen

  • Solange der Laserstrahl beim Schneiden das Material noch nicht vollständig durchstoßen hat, lagert sich am Einstichpunkt aufgewirbeltes Acrylpulver ab, was sich nur mühselig entfernen lässt (danach wird das Pulver durch den Spalt unter das Material geblasen). Aus diesem Grund definieren wir für jeden Durchbruch einen Einstichpunkt innerhalb von dessen Kontur.
Definition der bearbeitbaren Bereiche umlaufender Seiten

Die Templates für die Gehäusebearbeitung wurden entsprechend der folgenden Tabelle ausgelegt (siehe nächsten Spoiler).

Für die bearbeitbaren Bereiche der umlaufenden Seiten, die generell 11 mm oberhalb der Gehäuseunterkante (ohne Füße) beginnen und sich über den gesamten Innenbereich erstrecken, gelten folgende Randbedingungen (alle Maße in mm):

    Höhe  
  Breite 90er Bauhöhe 120er Bauhöhe
Frontseite *) 100 30 60
Rückseite *) 100 30 60
Seite, links 160 30 60
Seite, rechts 160 30 60

*) Die Breite reduziert sich jeweils um 6 bzw. 12 mm, wenn an einer bzw. an beiden Seiten eine Montageplatte eingelassen wird.

Templates für die Gehäusebearbeitung nutzen
Bearbeitbarer Bereich einer Längsseite in der Bauhöhe 90 mm.

Es stehen insgesamt vier Templates (Download) für die umlaufenden Seiten (vorne/hinten, links/rechts) der Bauhöhen 90 und 120 mm zur Verfügung, die als Ausgangpunkt für die Erstellung einer Bearbeitungsdatei genommen werden sollten.

Die Dateien wurden mit Inkscape erstellt. Sie enthalten jeweils zwei Layer, einen zur Darstellung des bearbeitbaren Bereichs (ausgegraut) und einen für die Bearbeitung selbst.

Zusätzlich wurden die Umrisse einer im Abstand von 10 mm über dem Boden platzierten Leiterplatte eingezeichnet, auf die die Platzierung von Ausschnitten für durchragende Bauteile auf der Leiterplatte bezogen werden kann.

In der Ansicht sollten „Hilfslinien“ auf sichtbar geschaltet sein. Bitte beachten Sie, dass Sie nur dann Elemente einfügen können, wenn die zur Bearbeitung vorgesehene Ebene aktiv geschaltet ist (z.B. in Listenfeld unten auswählen, oder UMSCH + STRG + L, Ebene markieren).

Folgende Tipps können hilfreich sein:

  • Der Nullpunkt des bearbeitbaren Bereichs entspricht der Position des ausgegrauten Rechtecks bzw. dem Drehpunkt der beiden sich kreuzenden Hilfslinien (Auslesen durch Doppelklick auf eine der beiden Hilfslinien).
  • Die beiden Nullpunkte des linken Rands der Leiterplatte (Bestückung oben oder unten) können durch Doppelklick auf die beiden entsprechenden Hilfslinien ausgelesen werden.
  • Die X-Koordinate der beiden Nullpunkte des rechten Rands der Leiterplatte (Bestückung oben oder unten) kann durch Doppelklick auf eine der dort ansässigen Hilfslinien ausgelesen werden. Die Y-Koordinate kann von den beiden Nullpunkten des linken Rands der Leiterplatte übernommen werden.
Logo in gravierfähige Grafik konvertieren

Wir beschreiben hier zum besseren Verständnis den Prozess, der i.a. erforderlich ist, um aus einem Logo eine gravierfähige Grafik zu machen.

Links ist unser Logo abgebildet. Es handelt sich ursprünglich um eine Vektorgrafik, d.h. die sichtbaren Flächen werden von einer farblich gefüllten (vektoriell beschriebenen) Kontur gebildet.

Handelt es sich hingegen um eine Pixelgrafik, dann ist es notwendig, die Kontur relevanter Flächen vektoriell nachzeichnen zu lassen (z.B. Inkscape > Pfad > Bitmap nachzeichnen lassen…)

Deartige Konturen können bei der Fertigung (laserschneiden und -gravieren) „geritzt“ werden, indem nämlich der Laser die Pfade, aus denen die Kontur besteht, mit so niedriger Intensität abfährt, dass kein Schnitt, sondern nur eine „Ritzung“ entsteht (völlig unabhängig davon, welche Linienbreite den Pfaden zugewiesen wurde), die sich dann auch mit Farbe füllen lässt.

Das kann für viele Fälle ausreichend sein. Wenn jedoch ganz bestimmte, womöglich noch variable „Ritzbreiten“ erforderlich sind bzw. gewünscht werden, dann braucht es einen weiteren Schritt.

Dann muss nämlich die ursprüngliche Kontur (bzw. die sie beschreibenden Pfade) selbst wieder zu einem Objekt mit Kontur und Füllung gemacht werden (siehe Bild links), was mit großem Aufwand verbunden sein kann, …
… zumal bestimmte Elemente möglicherweise auch noch auseinandergerückt werden müssen, um ein vernünftiges Gravurbild zu ergeben.

 

Boxtronik-App

Wir freuen uns darauf, Ihnen baldmöglichst unsere Boxtronik-App zur Verfügung stellen zu können, mit der Sie die benötigten Bearbeitungen so einpflegen können, dass wir Ihr individuelles Gehäuse umgehend, und ohne besonderen Zusatzaufwand in Rechnung stellen zu müssen, fertigen können.